Schamanismus – Was ist das?

ISBN 3-9806236-0-2

Mircea Eliade, der durch seine ethnologischen Werke viel zum wissenschaftlichen Verständnis des Schamanismus beitrug, sah darin eine Urreligion aller Menschen. Kennzeichnend für diese archaische Spiritualität ist, dass sie auf mündlicher Überlieferung beruht und keine religiösen Schriften kennt. Das heilige Buch des Schamanismus ist die Natur, und schamanische Religionsformen sind (oder waren) allem Anschein nach global verbreitet.

Für den Schamanismus kennzeichnend ist die Vorstellung von einer immateriellen Anders-Welt, mit der die Schamaninnen und Schamanen in Kontakt stehen und in die sie zum Zweck der Heilung oder der Erkenntnis Reisen unternehmen können.

Schamanische Handlungen und Rituale sind oft verbunden mit Trance- und Ekstasezuständen.

Ausgelöst insbesondere durch die Bücher des Anthropologen Carlos Castaneda hat sich eine Art westlicher Neoschamanismus herausgebildet. Die Begeisterung vieler Menschen für schamanische Praktiken hat sicher viel mit der engen Verbindung dieser Schulen zur Natur zu tun.

Dieser Trend hat jedoch auch Schattenseiten. Manitonquat, der als Älterer der Wampanoag-Indianer einer schamanischen Tradition angehört, möchte sich nicht als Schamane bezeichnen. Er meint dazu: „Mir kommt es so vor, dass die Leute, die sich vom Schamanismus angezogen fühlen, nach Magie suchen. Die Menschen fühlen sich überwältigt und bedroht, und Magie verspricht Macht und Kontrolle. Ich glaube, darin liegt die Anziehungskraft all dieser Bücher über amerikanisch-indianische Beschwörer und Zauberer.“ (Rückkehr zur Schöpfung, S.18)

Für in der Tradition verankerte SchamanInnen ist die Annahme ihrer Berufung oft eine schwerwiegende und schwierige Entscheidung, zu der sie sich in vielen Fällen erst nach langen Krankheiten oder anderen Schicksalsschlägen entschließen.

So auch Nadja Stepanova. Für sie ist das neu erwachte Interesse am Schamanismus Teil eines großen Veränderungsprozesses, in dem wir alle uns befinden. „Der Schamanismus ist immer jung und zeitlos. Gleichzeitig ist er Träger einer uralten Weisheit, die ebenfalls zeitlos und deshalb gerade heute so wichtig ist. Er ist es, der uns wieder die grosse Verbindung mit der Natur lehrt.“ (Interview von Doris Iding in Spuren- Magazin für neues Bewusstsein, Nr.90)