Warum Trance?

Trance ist eine besondere Fähigkeit des Menschen, ein Zustand, den wir einnehmen können.

Dieser Zustand kann uns von unseren alltäglichen Sorgen entlasten, kann Beschwerden lindern und unser System reinigen.

Oft tritt im Trancezustand eine tiefe Entspannung ein, es wird möglich, neue Sichtweisen einzunehmen und unsere Handlungsmöglichkeiten zu erweitern.

Wir können uns mit uns selbst versöhnen.

Körper, Atem und Denken verbinden sich, Blockaden im Körper werden gelockert oder lösen sich auf.

Trance-Tanz der Kerzen am Wasser

Trance ist eine Möglichkeit, zu einem grundlegenden Kern der eigenen Identität zurückzukehren. Stephen Gilligan

 

Zwei Arten von Trance

Wir Menschen haben im Laufe unserer Entwicklung viele verschiedene Zugänge zum Phänomen Trance entwickelt.

In einer ersten Annäherung kann man zwei komplementäre Formen der Trance nach der Bewegungsrichtung unterscheiden:

Inkorporationstrance

Die Inkorporationstrancen stellen Kontakt her zu Kräften oder Wesenheiten, die außerhalb des Menschen und unabhängig gedacht werden. Diese Form von Trance ist kulturabhängig und wird von ausgebildeten Medien innerhalb eines komplexen Symbolsystems ausgeführt. Sie stellt eine Bewegung von außen nach innen dar: eine von außen kommende Entität verschmilzt mit dem Medium.

Ausdruckstrance

Dagegen drückt die Ausdruckstrance etwas aus, was in uns Menschen liegt, die Bewegung geht von innen nach außen und ermöglicht eine neue und veränderte Erfahrung der eigenen Ressourcen.

In ROSE im HOF praktizieren wir Ausdruckstrance.

Charakteristisch für Ausdruckstrance ist,

  • dass wir das Bewusstsein für die Vorgänge in und um uns nicht verlieren, sondern erweitern und verändern;
  • dass Wirkungen der Trance fein und „unspektakulär“ sind:
    • veränderte Seh- und Hörwahrnehmung,
    • intensiveres Ich-Erleben,
    • der Ameisenhaufen im Denken beruhigt sich,
    • Erkenntnisse über Phänomene im eigenen Leben können auftreten.

Wie kommt es zum Wechsel vom Alltagsbewusstsein in den Trancezustand?

Die Trance kann spontan eintreten oder durch Induktion stimuliert werden.

 

Trance-Induktion

Es gibt Techniken, mit denen Trance induziert werden kann. Wie wirken solche Induktionen?

Wahrnehmungsfilter

Wahrnehmungen werden stimuliert durch die Sinne, gleichzeitig sind sie auch gefiltert.

So kann ich in einer Bahnhofshalle sitzen und mich mit einem Freund unterhalten und nur seine Worte wahrnehmen, obwohl rings um mich herum ein lautes Treiben vor sich geht.
Solche Selektionen beziehen sich auf alle Informationen, die ich erhalte.

Es gibt Wahrnehmungsfilter, die sich bewähren, es kann jedoch auch solche geben, die ich früher erlernt habe und die mich aber jetzt als Erwachsener einschränken.

Moment der Desorientierung

In Trance ergibt sich für mich die Möglichkeit, Wahrnehmungsweisen zu reorganisieren.

Die Trance-Induktion setzt bei einem Filter an und verschiebt für einen kurzen Moment seine Wirkungsweise. Es braucht dazu eine kleine, kurze Desorientierung des Systems.

Ich kann mich dann in diesem Moment entscheiden, diesem neuen Impuls entweder nachzugehen (lernen, neu wahrzunehmen) oder ihn zu ignorieren (alles bleibt, so wie es war; es passt, so wie es ist).

Trance-Induktion erzwingt keine Trance, sondern sie bietet eine Möglichkeit dazu.

Der Impuls kann auf verschiedene Arten erzeugt werden: Einfluss auf den Gleichgewichtssinn, Einfluss auf die Atmung, Tiefenentspannung mit Wechsel des Beobachtungs-Standpunktes, bestimmte sich wiederholende Bewegungen, Trance-Musik und -Tanz.
In ROSE im HOF haben wir diese letzte Form gewählt. Es ist ein sehr sanfter Zugang, der viel Freiraum lässt zur eigenen Gestaltung.

Wichtig dabei ist, dass es nicht darum geht, Filterfunktionen grundsätzlich aufzuheben. Alles, was wächst, braucht seinen Platz, seine Zeit und seine passende Umgebung.

Es geht vielmehr darum, einen geeigneten Lernimpuls zu finden – falls etwas nicht passt oder einfach, weil eine neue Wahrnehmungsweise erwünscht ist.

Trommel und Tanz

In der Trance-Musik gibt es keine Trennung zwischen den MusikerInnen und den TänzerInnen.
Das bedeutet, dass es Trance-Musik nur ‚live’, ‚unplugged’ geben kann.

Es kommt vor, dass Trance-Musik als schrill für die Ohren empfunden wird, dass es kleine Brüche in der Musik gibt. Dieser Effekt ist durchaus gewollt. Es sind die kleinen Irritationen, die die Trance-Induktion der Musik ausmachen.

Die Trommel beeinflusst den Tanz und der Tanz hat gleichzeitig Auswirkungen auf die Trommel. Das, was entsteht, ist das Ergebnis einer Kommunikation von Trommel und Tanz. Die Musik ist also nicht von vornherein komplett fest arrangiert, sie braucht sogar den Impuls von außen, vom Tanz. Das Arrangement ist offen für den Moment. Es gibt nicht ProduzentInnen und KonsumentInnen. Beim Trommeln ohne Tanz oder Tanz ohne Musik ist es so, als fehle die bessere Hälfte.

Die Musik und der Tanz erzeugen zusammen das, was entsteht. Beide berühren sich, lernen sich kennen und verschmelzen.

Durch die Hingabe an unseren eigenen Tanz begeben wir uns in innere Räume, die darauf warten, entdeckt zu werden. Tanz, Trommel und Gesang fließen zusammen und bewegen das Herz. Begrenzungen verlieren ihre Bedeutung. Wir lassen und von der Bewegung leiten und sind Kinder des Augenblicks.

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